Fechten Eintracht Hildesheim
Fechten Eintracht Hildesheim

Goldene “Weihnachtswunder”: Florettfechter der Eintracht sind bei der Landesmeisterschaft nicht zu überwinden

Ein Jubelschrei fegt durch die Halle, gefolgt von Applaus: Endlich, endlich konnte Louisa Sölter sich auch bei den Senioren den lang ersehnten Landesmeistertitel im Damenflorett sichern. Nach einem souveränen Wettkampf, in dem sie zunächst Lara Dreyer (GW Delmenhorst) mit 15:10 und danach ihre Ranglistenverfolgerin Katharina Kroggel (FK Hannover) mit 15:7 distanzieren konnte, stand ihr in einem packenden Finale Lokalmatadorin Stefanie Seidel (MTV Braunschweig) gegenüber. Bis zum Schluss ließ sich nicht absehen, wer das Duell für sich entscheiden wird, nach einem guten Beginn und der anfänglichen Führung rückte Seidel wieder immer näher an Sölter heran. Doch zum Schluss konnte Sölter die letzten Kräfte mobilisieren, ihre Gegnerin in die Defensive drängen und mit 15:12 gewinnen. Damit setzte sie den Auftakt für einen wahren Goldregen, der sich an diesem Tag für die Hildesheimer ereignete.

Doch zunächst war im Herrenflorett Drama angesagt: Im Viertelfinale hatte Christian Lucasov mit Malte Hasse (SV Alfeld) einen wahren Kämpfer als Gegner, der ihm das Leben unglaublich schwer machte. Lange lag Lucasov zurück, ihm drohte, für seinen extrem guten Wettkampf (Platz 1 nach der Setzrunde) keinen Gewinn einfahren zu können. Doch er zeigte Biss und konnte sich bis zum 14:14 rankämpfen. Der Streit um den letzten Treffer ging hin und her, beiden Athleten war das Adrenalin ins Gesicht geschrieben. Doch plötzlich fand Lucasov seine gewohnte Kaltschnäuzigkeit wieder, er konnte die wilden Angriffe von Hasse abwehren und selbst den letzten Treffer setzen. Nächste Medaille geschafft!

Nicht minder spannend war es bei Noah Gollnick. In seinem Viertelfinale wartete mit Heinrich Böhmer (TV Jahn Wolfsburg) geballte Erfahrung aus Jahrzenten des Fechtens. Der Kampf wogte hin und her, und nachdem der Sieg mit dem 14:12 zum Greifen nahe schien, kam es, wie es im Sport kommen muss: zwei Kopflose Angriffe, zwei geschickte Konter von Böhmer, Ausgleich. Nervenkitzel pur. Doch wo in solchen Fällen so oft die Erfahrung siegt, war es hier anders: Gollnick jagte seinen Gegner bis ans Ende der Bahn und setzte einen direkten Treffer, der die Anspannung in Jubel aufgehen ließ. Lucasov und Gollnick konnten zwar nach Kräftezehrenden Viertelfinals den Schwung nicht mit in die Halbfinals nehmen und verloren jeweils, durften sich aber den hart erkämpften dritten Platz teilen.

Um ein Haar hätte es sogar eine weitere Einzelmedaille gegeben: Nach einem schwierigen Start in ihr Viertelfinale gegen Lisa Holste (TC Hameln) setzte Zoe Licata nochmal alle Zeichen auf Angriff und konnte noch einmal nah herankommen. Doch der Turnaround wollte nicht gelingen, sie verlor 12:15 und belegte Platz 5. Die erst 16-Jährige Juliane Oppenländer landete in ihrem Debüt im Erwachsenenbereich auf Platz 8.

Doch damit war der Tag noch nicht beendet, denn es stand noch der Mannschaftswettbewerb an. Und hier kam es gleich zum doppelten Krimi: sowohl bei den Damen als auch bei den Herren sahen sich die Hildesheimer der Braunschweiger Heimequipe gegenüber. Bei den Damen (Sölter, Licata, Oppenländer) sah lange Zeit alles nach einem ungefährdeten Sieg aus, ins letzte Gefecht ging Sölter mit einer 40:32-Führung. Doch die erneute Kontrahentin Seidel wollte wohl nicht noch eine zweite Silbermedaille, sie holte alles raus, was noch ging, und setzte Treffer um Treffer. Doch es nützte alles nichts: Im Endkampf behielt wieder Sölter die Oberhand, der Mannschaftskampf endete 45:42 und Eintracht konnte sich die zweite Goldmedaille des Tages sichern.

Das Herrenflorett-Team war hierbei in einer interessanten Lage: als Titelverteidiger mussten sie beweisen, dass sie auch ohne den vormaligen Mannschaftskapitän Miles Pieles (seit Sommer TG Dörnigheim) eine Schlagkräftige Truppe aufstellen konnten. Hierfür hatten sich Gollnick und Lucasov mit dem Rückkehrer und zweimaligen Landeseinzelmeister Jan-Hendrik Seiler verstärkt. Wie sich zeigte, mit Erfolg: Nach einem packenden Wettkampf mit vielen Wendungen konnten die Braunschweiger sich vor dem letzten Gefecht mit 40:37 leicht absetzen. Doch Seiler zeigt eine Leistung der Extraklasse und ließ dem kurz zuvor gekürten Einzelchampion Christian Zöll kaum eine Chance. Dennoch wurde es durch den Vorsprung knapp, Seiler setzte schließlich den erlösenden Treffer zum 45:43 und damit zur Titelverteidigung.

So hatte die Truppe von Trainer Jablkowski mit dreimal Gold und zweimal Bronze den Samstag zu einer überraschend dominanten Siegestour veredelt. An einem Tag, an dem einfach alles gelingen wollte, ließen die Einträchtler anderen Vereinen kaum eine Chance. “Solche Wunder gibt es nur vor Weihnachten” strahlte Jablkowski nach der Siegerehrung.

Sowohl die beiden Teams als auch Sölter, Licata und Gollnick haben mit diesem Wettkampf auch ihr Ticket zu den Deutschen Meisterschaften gelöst, die im April im Fecht-Mekka Tauberbischofsheim stattfinden. Mit Freude auf diesen Wettkampf können die Florettfechter zufrieden in die Winterpause gehen, jedoch keinesfalls locker lassen: Schon im Januar geht es mit den Landesmeisterschaften der U20, U15 und U13 in Gifhorn weiter, dicht gefolgt von den Bezirksmeisterschaften in Alfeld. Somit gibt es auch in 2020 noch mehr als genug Wettkämpfe, auf die man sich freuen kann.

 

Noah Gollnick